“Gewöhn dich nicht. Du darfst dich nicht gewöhnen.“ Was bleibt, wenn uns nichts bleibt?
Kirchen, Häuser, Hütten. Alle drei sind Räume, in denen wir uns geborgen fühlen können, in denen wir in Gemeinschaft leben können. In dem Kurs Kirchenbau bei Herrn Giese haben wir nicht nur viel Interessantes über die Kirchen unserer Diözese erfahren, sondern durften auch selber zu Farben greifen.

Hilde Domin, MIT LEICHTEM GEPÄCK

Gewöhn dich nicht.
Du darfst dich nicht gewöhnen.
Eine Rose ist eine Rose.
Aber ein Heim
ist kein Heim.

Sag dem Schoßhund Gegenstand ab
der dich anwedelt
aus den Schaufenstern.
Er irrt. Du
riechst nicht nach Bleiben.

Ein Löffel ist besser als zwei.
Häng ihn dir um den Hals,
du darfst einen haben,
denn mit der Hand
schöpft sich das Heiße zu schwer.

Es liefe der Zucker dir durch die Finger,
wie der Trost,
wie der Wunsch,
an dem Tag
da er dein wird.

Du darfst einen Löffel haben,
eine Rose,
vielleicht ein Herz
und, vielleicht,
ein Grab.

Gedicht aus: Hilde Domin, Sämtliche Gedichte, Hrsg. von Nikola Herweg und Melanie Reinhold, Frankfurt am Main 2009, S.101

Das obige Gedicht diente uns zur Inspiration: Was bleibt, wenn uns nichts bleibt?
Bei mir ist es die Wärme. Die Wärme, die sich in mir ausbreitet, sobald ich an meine Heimat, meine Familie zu Hause denke, an die Liebe, die wir teilen, an die Freude, die Geborgenheit. Auf mich kann von außen einwirken was will, Kälte, Verletzung, Enttäuschung, Bedrohung, sei es durch Menschen, sei es durch etwas Anderes. Nichts von all dem kann mich der Liebe meiner Familie und Heimat gegenüber berauben. Denn selbst wenn nichts bleibt, so habe ich doch diese Wärme immer bei mir.

Julia Gaul, Ambrosianum Sprachenjahr 2018/2019